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Zur Ausstellung „Sleeping screens“, Bonn 2007,
von Volkhard Sanne

Atelier Düsseldorf 2006
Die Arbeiten von Patrick Lemke vermitteln dem Betrachter das
Gefühl, mit einer neuen Form der Malerei konfrontiert zu sein.
Eine Form, die sich mit dem gängigen Vokabular schwer beschreiben
lässt. Sie ist abstrakt wie zugleich auch gegenständlich.
Diese Art zu malen, lässt unschwer den Einfluss seines Lehrers
Markus Lüpertz, dessen Meisterschüler und Preisträger er
war, erkennen.
Lüpertz äußerte sich in einem Interview mit dem
Charlottenburger Kunstmagazin 1984 so: „Wir (die neuen Wilden)
malten abstrakt– mit gegenständlichen Dingen; wir nahmen den
Gegenstand nicht als Bedeutung oder Inhalt, sondern als unsinnigen,
gewissermaßen in einer dritten Art der Abstraktion. Uns
interessierte nicht der Inhalt, den er darstellte, sondern seine Magie,
was durchaus ein surreales Moment hat, präziser ein poetisches
Moment.“
Patrick Lemke neigt zu Gegensätzen bis hin zur Provokation. Es
fällt eine Polarität zwischen Realismus und Abstraktion ins
Auge: gegenständliche Malerei bis hin zu naiven versus
romantischen Grundauffassungen, die er abstrakt umsetzt.
Patrick Lemke hat mit der Zeit ein Repertoire verschiedener
Gestaltungselemente geschaffen, aus dem er immer wieder neue und sich
doch ähnliche Bilder formt. Die Bildstruktur der einzelnen Werke
wird oft nur geringfügig variiert, so dass sie sich zu seriellen
Gruppen zusammenstellen lassen.
Patrick Lemkes Formensprache assoziiert Verwandlung und Beschleunigung,
Linien, Kreise, Quadrate und Rechtecke schaffen zusätzliche
Bildebenen. Große Formate überwältigen nicht, sondern
binden den Betrachter psychisch wie physisch in das Bildgeschehen ein.
Seine Bilder verlangen selbstbewusste, emanzipierte Betrachter, sie
lösen beim Betrachter einen intellektuellen Vorgang aus. Es lohnt
sich, sie lang genug genau zu betrachten, Sehschablonen zu verlassen,
die Gelegenheit zu nutzen, in die Schule eines anderen Anschauens zu
gehen.
Ist es ein Abendhimmel, glutrot bei untergehender Sonne am Meer, wir
alle können uns an derartige Momente sicherlich erinnern? Bin ich
ein so kleiner Mensch, wie ihn Patrick Lemke auf dem Bild „Vier
Tropfen Rot“ gemalt hat? Unendlich klein vor diesem großen
Panorama, dennoch groß genug, um einen langen Schatten zu werfen.
Sind es Gedanken oder Träume, die dieser Mensch vor dieser
wunderbaren Naturkulisse freisetzt? Aufsteigen lässt in Form
dieser immer größer werdenden Kreise. Seifenblasen
ähnlich, die möglicherweise bald zerplatzen oder werden sie
über den Bildrand hinaus getragen – ja wohin?-
Handelt es sich bei einem anderen Bild mit grün als dominante
Farbe, um einen Waldrand, vor dessen Kulisse wir uns aufbauen, unser
kleines Interieur schaffen?

„Istanbuler Gelb“, 120 x 100 cm, Lack und Öl auf Leinwand, 2006
Oder das Titelbild unserer Einladung. Welch Füllhorn wird hier ausgeschüttet?
Musikliebhaber werden vielleicht im Überschwang der Gefühle
einen bunten Strauß von Tönen erkennen wollen, sich in ein
Furioso versetzen können.
(Ich habe mittlerweile erfahren, dass die Inspiration zu dem Titelbild
der Einladung, „Istanbuler Gelb“ einen anderen Ursprung
hat. Er geht auf die Mosaikmalerei in einem Istanbuler Harem
zurück: Es stellt sich natürlich gleich die Frage: Was hat
der Künstler…, aber diese Frage stelle ich hier nicht, ich
wollte auch nur wissen, warum gelb?)
Wie auch immer, für mich setzt sich der Künstler während
seiner kreativen Prozesse mit der Natur auseinander, gleichsam auch mit
sich selbst, als Teil der Natur.
Patrick Lemke will die Natur nicht illustrieren. Seine Reflexion der
Natur ist in eine Bildsprache übersetzt, die wir weder, wir sind
wieder bei Lüpertz, als abstrakt noch als gegenständlich
bezeichnen können. Wie soll man seine Kunst bezeichnen? Hat
Patrick Lemke bereits in so jungen Jahren eine individuelle und
unverwechselbare künstlerische Sprache entwickelt? Wenn man das
Interesse von Galeristen, Kuratoren von Ausstellungen und Messen,
Auslobender von Stipendien, sowie eines kleinen Kreises von Sammlern
richtig interpretiert, vermutlich ja. (Für das augenblickliche
Stipendium der Starke Foundation Berlin wurde er aus Kreis von mehreren
Hundert Bewerbern ausgewählt).
Patrick Lemkes Bilder haben, durch lange Trocknungszeiten, oft einen
mehrwöchigen Entstehungsprozess. Er malt meist mit Öl und
sprüht Lack, oft in mehreren Arbeitsschritten, in mehreren
Schichten, auf grundierte Leinwand. Er lässt Farbe aus
größeren Abständen auf die auf den Boden liegende
Leinwand tropfen um sie unter zur Hilfenahme von Terpentin
aufzulösen und in seine für ihn typischen Farbflächen zu
verweben.

„Passion“, 60 x 40 cm, Lack und Öl auf Leinwand, 2006
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